Corona-Schnelltest-Zentrum am Frankfurter Flughafen eröffnet

Flug 30.06.2020

Reisende, die vor Abflug einen Test auf Sars-Cov-2 benötigen, können ab sofort ein neues Testzentrum am Flughafen Frankfurt nutzen. In dem mobilen Labor lassen sich bis zu 300 Reisende pro Stunde auf das Coronavirus testen.

Das auf seltene Krankheiten spezialisierte Unternehmen Centogene hat in Zusammenarbeit mit der Lufthansa und Fraport ein Testzentrum am Flughafen Frankfurt am Main für das neue Coronavirus eröffnet. Es richtet sich vor allem an Reisende, die schnell einen negativen Befund auf Sars-Cov-2 benötigen. Zielgruppe sind sowohl ab- wie auch anreisende Fluggäste.

Getestet wird direkt am Flughafen in einem sogenannten "Walk-In"-Corona-Testzentrum. Dieses Abstrichzentrum befindet sich im Durchgang zwischen dem Fernbahnhof und dem Terminal 1 des Flughafens, gegenüber dem Airail-Check-In der Lufthansa. Das Angebot ist als langfristige Maßnahme gedacht. Mehr als ein Jahr soll die Partnerschaft zwischen Fraport, Lufthansa und Centogene dauern, bis Ende Juli 2021.

Der Corona-Test am Flughafen ist freiwillig. Aber immer mehr Zielländer verlangen vor der Einreise jedoch einen negativen Test auf Sars-Cov-2, sodass ein Zwang durch die Destination ausgeübt wird. Nach Centogen-Angaben soll das Testzentrum eine "Blaupause für die Öffnung des internationalen Reiseverkehrs" sein.

Wer abreist, kann den Test sowohl am Vortag als auch am Tag der Abreise durchführen. Eine optionale Identitätsbestätigung durch Centogene wird ebenfalls angeboten. Letzteres ist für einzelne Länder notwendig, um Quarantänebestimmungen zu entgehen, so das Biotechnologie-Unternehmen. In Zukunft soll eine Verknüpfung des Testergebnisses mit dem Lufthansa-Ticket möglich werden.

Für Lufthansa ist das Testzentrum damit von besonderer Bedeutung. Schon jetzt werde bei Reisen in Staaten, die einen zeitnahen Coronatest bei der Einreise vorschreiben, nach einem Testergebnis gefragt, ehe die Passagiere an Bord gehen können - denn wenn sie bei der Einreise zurückgewiesen werden, muss die Fluglinie sie zurück befördern. So gab Björn Becker von der Lufthansa Group an, dass ein negativer PCR-Test (Polymerase Chain Reaction) vor einem Flug etwa auf der jetzt wieder angebotenen Schanghai-Verbindung notwendig sei.

Testkapazität kann hochskaliert werden

Das System wurde in den letzten sechs Wochen aufgebaut, wie Alexander Laugenmann von der Fraport zur Eröffnung sagte. Derzeit könne das Zentrum 300 Personen pro Stunde testen. Bei Bedarf könne das Abstrichzentrum aber vergrößert werden. Ziel des Projekts sei es, möglichst hohe Testkapazitäten flexibel bereitzustellen.

Centogene hat dafür einen Labor-LKW entwickelt, der einen Container als Sattelauflieger mit vier Arbeitsplätzen bietet. Prinzipiell kann die Lösung also hochskaliert werden. Rund 5000 Tests sind pro Tag und LKW möglich. Einer dieser LKW befindet sich nun am Flughafen Frankfurt am Main. Dort werden die Samples, die im Abstrichzentrum entnommen werden, hingeschickt.

Fast-Track-Tests dauern nur drei Stunden - sind aber teuer

Getestet wird mithilfe eines PCR-Tests auf Sars-Cov-2 RNA. Der Test selbst dauert normalerweise zwischen sechs und acht Stunden. Für Personen, die sich am Abreisetag testen lassen, gibt es ein Fast-Track-Verfahren. Reisende müssen dann zwischen zwei und drei Stunden auf ein Testergebnis warten.

Laut Centogen stellt der negativ Getestete nach dem Ergebnis des Tests für zwei Tage keine Ansteckungsgefahr für seine Umgebung dar. Das gelte zumindest für 90 Prozent der getesteten Personen. Natürlich könne sich eine Person theoretisch auch noch in dem Zeitraum anstecken, bedingt durch die Inkubationszeit passiere das grundsätzlich mit einer Verzögerung. Centogene betont daher, dass es keinen vollständigen Schutz gebe, aber die Möglichkeit einer Ansteckung sei deutlich reduziert.

Die Kosten des Tests sind abhängig vom Verfahren. Am günstigsten ist der Test am Vortag mit 59 Euro. Der Identitätsnachweis, also das Hinterlegen der Reisepassdaten in den Test, kostet noch einmal neun Euro extra. Am teuersten ist das "Fast-Track"-Verfahren mit 139 Euro. Das ist aber noch günstiger als der Test in der Notfallambulanz des Flughafens, der dort 215 Euro kostet.

Der Flughafen Frankfurt beitet nämlich schon länger eine Testmöglichkeit, die allerdings nichts für Eilige ist. Einen Antikörpertest, wie ihn die Notfallambulanz am Flughafen anbietet, gibt es dafür bei Centogene nicht.

Da der Test auch beim neuen Anbieter am Platz auf der Landseite des Flughafens erfolgt, ist es Transferpassagieren aktuell nicht möglich, sich testen zu lassen. Auch ein Test, der möglicherweise in Zukunft zur Einreise nach Deutschland benötigt wird, muss vor Abflug durchgeführt werden. Centogenes Testzentrum ist also nicht in die Grenzkontrollen integriert. Man arbeite aber an Planungen, das bei Bedarf mit der Fraport umzusetzen, hieß es.

Details zum Prozess und die Zukunft

Der Durchgang durch das Abstrichzentrum dauert bei vorheriger Registrierung laut Centogene etwa zwei Minuten. Eine Registrierung ist notwendig, um das Ergebnis dann digital abrufen zu können oder etwa in die Wallet-Mechanismen moderner Smartphones zu integrieren. Im Zweifelsfall kann der Anwender sich auch vor Ort an Rechnern registrieren, dafür braucht es nur eine E-Mail-Adresse.

Nach der Registrierung und des Rachenabstriches werden die Proben zu dem mobilen Labor gebracht. Der umgebaute 45-Fuß-Container parkt auf einem Sattelauflieger zwischen dem Terminal 1 und dem Frankfurt Airport Center, nahe der Bushaltebucht 25. In vier Arbeitsschritten wird der Abstrich dort auf Sars-Cov-2-RNA hin getestet.

Der in Rostock konstruierte Labor-LKW-Anhänger, der laut Centogene erst kurz zuvor fertig geworden ist, ist bisher der einzige seiner Art. Das Konzept hat den Vorteil, dass es keine Baugenehmigung braucht. Für Centogene ist die Installation in Frankfurt auch gleichzeitig ein Muster für weitere, internationale Flughäfen, die das Konzept sich anschauen wollen. Ein zweiter Labor-LKW ist in Planung.

Für die Zukunft will Centogene die Tests auch in die Grenzkontrolle am Flughafen integrieren und so ankommende Passagiere testen. Insbesondere auf der Luftseite dürfte eine Beschleunigung des Tests von Relevanz sein. Centogene arbeitet derzeit daran, die Testzeit auf 60 bis 80 Minuten zu drücken und hofft dies in den nächsten vier bis acht Wochen zu erreichen. Dieser beschleunigte Tests würde aber nicht nur auf der Luftseite angeboten werden.

Centogene hofft zudem sein Konzept aus Abstrichzentrum und Labor-LKW auch nach München zu bringen. Das Unternehmen befindet sich diesbezüglich aber noch in einer Verhandlungsphase.

(Quelle: www.airliners.de)

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