Persönlich schlägt perzoomlich

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Dieses Thema zu besprechen, ohne dem Elefanten im Raum ein bisschen Aufmerksamkeit zu schenken, würde jedem Leser lächerlich vorkommen. Daher tun wir das sofort: Die Corona-Pandemie verändert den Umgang mit Geschäftsreisen! Die wichtige Frage, die sofort mitgedacht werden muss, ist, bleibt das denn auch so?

Wir sagen: Ja und Nein! Ja, es wird nachhaltige Veränderungen geben und nein, die Geschäftswelt wird sich weiterhin persönlich treffen. Ein Abgesang auf Geschäftsreisen hielt in der Realität schon einmal nicht stand. Und zwar als die Möglichkeit von Video-Konferenzen aufkam. Verblüffend war, dass die Anzahl der Geschäftsreisen sogar anstieg, bis zuletzt. Ein Argument, das ebenfalls verblüfft, Video-Konferenzen selbst sind der Grund für diesen Anstieg. Und das ist auch logisch nachvollziehbar. Eine globale Vernetzung über neue Kommunikationssysteme ermöglicht es einer neuen Vielzahl von Unternehmen zusammenzuarbeiten. Es wurden Projekt-Teams über die Grenzen hinweg gebildet, die auf einmal nicht nur über einen Video-Chat verbunden waren, sondern auch in Echtzeit gemeinsam an Dokumenten arbeiten konnten. Die Folge: Um über die Distanz erfolgreich zusammenzuarbeiten, muss man sich mindestens einmal persönlich kennengelernt haben. Und das wird auch nach Corona so bleiben!

Kommen wir zum Ja: Die Hygiene-Standards werden sich ändern, und zwar zum Guten. Denn niemand wird den so wichtigen Mindestabstand verfluchen, wenn er sich in der Umgestaltung am Flughafen zeigt. Wer mag schon inmitten einer Menschentraube gequetscht in den Shuttle-Bussen im Flughafen stehen oder zwischen den ungeduldigen und aufgeregten Erst-Fliegern am Check-In rumstehen? Wie sich diese Änderungen und die Stagnation des Geschäftsreiseverkehr zeitlich auswirken, ist momentan noch schwierig zu beurteilen. Eine Umfrage des Verband Deutsches Reisemanagement (VDR) zeigt ein ambivalentes Stimmungsbild: Die befragten Mitgliedsunternehmen sagen, dass die Wiederaufnahme der Reisetätigkeit nicht absehbar sei, was selbstverständlich Unsicherheit auslöst. Hoffnungsvoll stimmen jedoch die immerhin 57 Prozent, die davon ausgehen, dass dauerhafte unternehmensinterne Beschränkungen bei Geschäftsreisen eher unwahrscheinlich sind und ebenso viele, die sagen, dass die Reisen mittelfristig wieder zunehmen werden. 70 Prozent gehen davon aus, dass die Notwendigkeit einer Geschäftsreise intern sorgfältiger geprüft wird.

Besonders im Bereich Verkauf wissen die meisten genau wie diese Prüfung ausfällt: „Raus mit dir zum Kunden!“ Mangelnde Technik und im Umkehrschluss, verbesserte Technik, ist nicht der einzige Grund für das Für und Wider in ein Flugzeug, die Bahn oder ein Auto zu steigen. In einem umfassenden Artikel von brand eins zu dem Thema kommt unter anderem Kommunikationswissenschaftler Joachim Höflich zu Wort. Sein Fazit in der Debatte ist, dass virtuelle Kommunikation – so gut die Technik auch sei – begrenzt ist. Man könne den Gesprächspartner nicht spüren, nicht riechen und ihm auch nicht einfach mal auf die Schulter klopfen oder sehen, ob jemand nervös wird. So viele Dinge liefen nonverbal ab und könnten auch durch die besten Glasfaserleitungen nicht übertragen werden. Selbst nach 9/11, als keiner mehr in ein Flugzeug steigen wollte, ist die Geschäftswelt relativ schnell wieder um die Welt geflogen.

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